Eine Sage aus den Grenzmarschen

25.01.2009 

Henkrist„Einst vor langer Zeit, als die Menschen zahlreicher wurden und an den großen Feladikre zogen, bauten sie einen Grenzturm, der das unwirtliche Marschland im Süden bewachen sollte. Denn von Zeit zu Zeit drangen unheimliche Geräusche von noch unheimlicheren Wesen aus den Sümpfen herüber und einige Wachen schworen Stein und Bein, dass sie den Schatten eines riesigen Ungetüms gesichtet hätten, der sich zwischen dem hohen Schilfgras und den vermoderten Baumgerippen durch das Marschland zu bewegen schien.

Kunde davon gelangte zu einem Ritter aus der Alten Mark, welcher geschworen hatte, das Licht der Sonne in die Welt zu tragen und alles Dunkel zu vertreiben. Dieser Sonnenritter namens Henk kam schließlich eines Tages, angetan mit einer glänzenden Rüstung, auf einem Schimmel reitend zum Turm der Wacht am Rande der Sümpfe. Er befragte die Türmer und sie wiesen ihm die Richtung, in der sie letzthin das Monster erblickt hatten. Furchtlos ritt der Kämpe in das braune Marschland und rief dem schwarzen Untier, dessentwillen die Menschen jede Nacht zitternd Fenster und Türen verschlossen, seine Herausforderung zu. Das Biest blieb jedoch verschwunden, so dass der gestrenge Ritter auf dem Turme Posten bezog und wartete. Als er eines Nachts ein gewaltiges Krachen im morschen Holz vernahm, entzündete er eine große Ölschale auf dem First des Turmes und starrte in die Dunkelheit. Dort sah er tatsächlich sich etwas bewegen und sogleich nahm er Schwert und Schild, stieg hinunter und galoppierte dem Monster aus den Marschen entgegen. Jenes allerdings, schneller als gedacht, kam brüllend auf ihn zu, so dass des Ritters weißes Pferd im finsteren Schlamme scheute. Aber der mutige Streiter hielt sein Schwert hocherhoben und warf sich dem schuppigen Wesen entgegen. Geblendet durch einen Strahl des brennenden Öllichts auf dem schimmernden Schild des Recken, wendete sich das Monster ab und bot seine Flanken dar, in die der kühne Henk sein goldenes Schwert trieb. Fauliges Blut ergoss sich aus der Wunde und das Biest schrie so laut, dass selbst die Bürger von Crossing aus dem Schlafe schreckten und vor Angst erbleichten. Indes, das Ungetüm ward noch nicht besiegt und es schleppte sich schwer verwundet zurück in die tiefen Wasserlöcher der Sümpfe. Alsbald verlor sich seine Spur und der edle Ritter musste die Verfolgung aufgeben.
Seit jener Nacht wagte sich das Marschenmonster jedoch nie wieder aus dem Sumpf hervor und das Land wurde im Auftrag des Königs durch Ritter Henk in Besitz genommen. Er baute auf einer Insel im Fluss eine hölzerne Burg, in der er fortan lebte.

HochmotteDoch im Schlaf vernahm der Ritter entferntes Gebrüll, welches ihm keine Ruhe ließ. Daher entschloss er sich, wieder in die stinkenden Sümpfe zu reiten und das Monster endgültig zu erschlagen. Gleichwohl - er kehrte nie zurück.
Dann und wann allerdings ist auch heute noch in manch dunkler Nacht das Gebrüll eines Ungetüms sowie das Wiehern eines Pferdes aus den Weiten des Marschlandes hören..."

... so erzählen die torfstechenden Grenzmärschler, welche von manchen abfällig „Sumpfratten" genannt werden, ihren Kindern die Legende des Sonnenritters Henk, der das schwarze Marschenmonster besiegte und das Land sicherte. Seit jenen Tagen wurde der Wehrturm „Henkrist" geheißen, was soviel wie Henks Sieg bedeutet, und man gab dem Bachlauf, an dessen sumpfiger Böschung der Kampf mit dem Biest stattgefunden hatte, ebenfalls den Namen dieses Helden der Grenzmarschen.

 

 




 
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