Thomas vom Rabenhorst

03.01.2008 

RabenhorstEin kurzer Abriss der turbulenten Geschichte des Thomas Rabenhorst- Meister der Arkanenen Künste, erworben zur Akademia Gutingy -niedergeschrieben von ihm höchstselbst, als Zwischenbilanz eines Lebens voller Höhen und Tiefen, aus Finsterstem Kerker in höchste Amtesweihen und zurück, zur Feste Westberg, vor dem Brittfest im Jahre 2003 nach Alucs Erblindung, im Jahre der Erhebung, gewidtmet meinen treuen Freunden aus Dank, und meinen Schülern zur Belehrung. Manchmal ist es angemessen, eine Geschichte mittendrin zu beginnen. Ich bin erst seit einem Jahr wieder ein Freier Mann. Und erst seit genau drei Wochen wieder auf Reisen. Und unter den Lebenden.
Was nicht heißt, ich sei untod. Dies ist kein Bekenntnis meiner Leichenhaftigkeit. Viel eher ein Bild. Denn was ist ein Mann ohne seinen Namen?
Ohne mein Geld auszukommen war leicht - den Luxus üppiger Mahlzeiten und Seidener Bettlaken vermisst man nicht, tauscht man ihn gegen die Freude ehrlicher Arbeit an der Gemeinschaft. Dorfkinder im Lesen und Rechen zu unterrichten, Kobolde aus Milchkannen zu bannen und unruhige Geister aus bäuerlichen Wurstkammern zu verscheuchen war lehrreich und hat meiner Seele, und meinem Leib, spürbar gut getan.
Auf meine Titel und Ehren zu verzichten war leicht - der enge Wirkungskreis eines Hofmagus engt den Geist ein und macht die Gedanken steif. Als Meister der Magie, geprüft zu der Akademie Gutingys fesselt das ethische Band allzuhergebrachter akademischer Lehrverpflichtung und der magnetische Sog der verstaubten Bibliothekstische. Und das Leben als Reichskanzler und oberster Minister eines Königs beugt den Rücken und verzehrt die Seele,
Doch was ist ein Leben wert ohne Namen? Mit falschen Bart und falscher Geschichte zu reisen war mehr Qual als meine beinahe einjährige Festungshaft zu Westberg - erst mußten mich treue Freunde aufgrund der Weisung einer infantilen Majestät festnehmen, mir sogar den Prozess machen und das Urteil vollstrecken. Und dann,als ich mit Schrecken auf dem vermeintlichen Totenbett lernte, daß der öffentliche und aufsehenerregende Prozess nicht mehr war als eine Farce, Lug und Gaukelspiel, durfte ich mich eben jenen Freunden viel zu lange nicht zeigen und ihnen Ihre Gewissensbisse nicht lindern. Ich will zwar nicht leugnen, daß ich nicht mit Sichgerheit weiß, ob ich schon einmal tod gewesen bin oder bloß schwer verletzt, betäubt und getäuscht.
Eines ist mir jedoch klar geworden in meiner Haft, während der Stunden meines Prozesses, auf meiner Wanderschaft als reisender Scholar: In meinem Vormaligen Leben war ich ein Tagedieb und Halunke, der sein Ende dem Recht nach verdient gehabt hätte.
Gerade deshalb vielleicht ein geschickter Diplomat und Politiker - aber gerade deshalb auch um keinen Grad besser als der Gossenjunge, der ich einst war.
Bevor mich mein Lehrmeister, dessen Namen nicht genannt werden soll, aus dem Waisenhaus meiner Heimatstadt freikaufte.
In der Esse seines unbeugsamen Willens formte er aus mir Diebesjungen, sein Werkzeug, schlug aus mir ein Gefäß magischer Macht. Geschult an der harten, herrschsüchtigen, machtgierigen Philosophie seines hermetischen Hauses, dessen Grundsatz den Streit zum Ursprung aller Kraft erklärt, wurde ich sein Diener - bis ich ihn ermorden ließ. Aus Hilflosigkeit und Rache. Und weil ich es konnte.
Ich wurde also ein Mörder, in meinem ersten Leben.
Ermorden ließ ich ihn von einem Wesen aus einer anderen Welt. Einem Wesen, gehüllt in reiche Roben, sein Gesicht bedeckt von einer Maske, die Kapuze nur notdürftig die Hörner verbergend. Sei es ein Teufel gewesen oder ein gefallener Engel, ein Dämon oder ein Geist, eine dunkle Fee oder ein abgefallener Zauberkünstler - ich habe einen Pakt mit ihm abgeschlossen. Meine Seele gegen den Tod meines Meister.
Der Fremde hat Wort gehalten. Das Labor brannte aus, ich hörte die Schreie meines Herrn.
Ich wurde zu einem Paktierer, in meinem ersten Leben. Ich floh aus meiner schmutzigen, dreckigen Heimatstadt, gen Süden, weit weg. Ich wurde Hofzauberer, an einem kleinen, heruntergekommenen Fürstenhof zwischen Hochmoor und Bergpässen, im Norden eines kleinen, unbedeutenden Königsreiches im Südwesten der Mittellande. Der Graf, dem ich diente, verschwand spurlos. Die Lösegeldforderungen der Drow, die ihn in ihre Gewalt gebracht hatten, ließ ich verhallen. Seinen Tod in Kauf nehmend. Denn wer würde schon einem ihrer Gefangenen je wieder trauen können?
Aber ich wurde zu einem Träuebrecher, in meinem ersten Leben. Als der alte Reichskanzler starb, verblutend an einem feigen Attentat, wurde ich Reichskanzler. Als erster brach ich in seine Amtsstube ein, stahl alle wichtigen Dokumente und nahm die Siegel an mich, die Amtsgeschäfte in seinem Namen, als sein vorrübergehender Nachfolger an mich nehmend. Bis mich der Neue, junge König, ein Frischling, gänzlich unerfahren, bestätigte.
Ich war also ein Hochstapler, ein Betrüger in meinem ersten Leben. Und als der Bascische Bürgerkrieg vorüber war, als das Kind auf dem Königsthron mich am meisten gebraucht hätte, als es ein Reich neu zu ordnen galt, eine Persönlichkeit zum Herrscher zu erziehen, da ergriff ich die Flucht - zu lange hatte mir meine Bequemlichkeit gefehlt, um sie auch nach dem Kriege weiterhin missen zu wollen, zu sehr fürchtete ich um mein eigenes Leben, nach dem mehrfach aus politischen Gründen und aus Neid - und aufgrund meines Hochmutes - getrachtet wurde.
Ich legte nicht mein Amt nieder. Ich floh. Mit einer Kiste voller Gold. Nicht unneigennützig auch mit Blankopapieren und gesiegelten Dokumenten.
So wurde ich also ein Verräter, in meinem vorigen Leben.
Es kam wie es kommen mußte: Ich wurde gejagdt, gefasst, eingekerkert geurteilt und gerichtet. Und erwachte. Bloß nicht im Himmel, als Stern am Firmament wie alle Seelen Wahrer Magier. Oder in Tiefsten Tiefen, wohin meine Seele verschrieben gewesen wäre. Ich erwachte auf meiner Bahre, im Thronsaal meines jungen Königs. Neben ihm ein alter, mächtiger Freund, weit mächtiger, aber auch weiser als ich. Er hatte mich ins Leben zurückgeholt - oder auch nur meine schweren Wunden geheilt und die lebensfeindlichen Gifte ausgetrieben.
Sie nahmen mir das Versprechen ab, auf Wanderschaft zu gehen - und ich begab mich auf die lange Pilgerschaft zu mir selbst. Und auf diesem Weg wird man mich noch eine lange Zeit finden. Womit ich mir mein neues Leben verdient habe? Ich weiß es nicht. Vielleicht die Organisation des Widerstandes gegen die Dunklen Mächte, die die mir anvertraute Grafschaft beinahe überrollt hätten?
Vielleicht das Zusammenhalten des Königreiches, als es vor Hunger und Not im Bürgerkrieg beinahe selbst zerfleischt hätte, die Verhandlungen, die ich um Brot und Fisch mit anderen Reichen führte, meine Wahlheimat aus ihrer Isolation befreiend?
Vielleicht die Buße der Läuterung, der ich mich unterwarf, um mein Herz zu reinigen? Diesem großen Ritual des Lichtes, das meine Freunde abhielten, um einen Dämonischen Trieb aus meinem Selbst zu filtern? Das mir einen Teil meiner Seele zurückgab, überbracht von einem Boten des Lichtes in unscheinbarer Gewandung, vielleicht sogar einem Drachen in menschlicher Gestalt - später sah ich einen Drachen kämpfen, und er sprach mit seiner Stimme - ?
Vielleicht, daß ich bei allem Trug meine eigene Herkunft niemals vergaß - und gegen Adelswillkür und Kriegsnöten das einfache Volk immer in Schutz nahm. Wo ich nur konnte.
Vielleicht habe ich mir mein zweites Leben auch durch meine Freunde verdient - alte Freunde, deren Wertschätzung ich beständig pflegte. Und deren Treue ich zutiefst erwidere. Wie dem auch sei - ein zweites Leben ist ein zweite Chance. Eine Verpflichtung. Ich werde nicht alles erreichen können, aber alles versuchen, meine Schuld an der Welt zurückzuzahlen. Ich will ein guter Lehrmeister werden, wenn ich mein Wissen weitergebe. Nicht umsonst habe ich in Gutingy meine Meisterprüfung abgelegt und bestanden. Und nicht umsonst habe ich mir von Meister Mumpitz seinen Weg der Zauberei erklären lassen - seinen Ansatz, sein Handwerk.
Wenn mich die Häscher alter Feinde nicht erwischen.
Denn seit der Unabhängigkeitserklärung Westbergs ist bekannt, daß jemand, der meinen Namen führt, Gast des Barons sein soll. Daß ich wieder in Westberg bin. Und wenn ich eine alte Seelenschuld auflösen kann, Stück für Stück, ohne mich weiterhin in die Räderwerke der Niederebenen zu verstricken.
Aber so lange ich kann, werde ich meinen Freunden und den Unschuldigen beistehen.
Es gibt noch so viel zu tun.




 
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